Zweimal im German Bowl-Finale
Von ARNE KRÖLL Weser Kurier vom 30.08.2010
‘Das erste German Bowl-Finale war für mich der Höhepunkt’, erzählt Schloßhauer stolz. ‘Wir spielten damals vor rund 16000 Zuschauern’, schwärmt der 33-Jährige. Sein Beweggrund, überhaupt nach Kiel zu gehen, lag darin, dass er es ‘mal wissen wollte’. Der Unterschied zu den Spielklassen darunter sei doch sehr groß, und das Verletzungsrisiko sei nicht so hoch. Dies führt er darauf zurück, dass die Spieler der GFL alle Regeln kennen und auch sauber ihre Tackles ausführen. Als er 2008 vom Zweitligisten Weyhe Vikings nach Kiel wechselte, hätte er allerdings nie daran gedacht, jemals in einem Finale um den German Bowl zu stehen. Die begehrte Trophäe, der ‘Meister-Ring’, blieb ihm indes sowohl gegen Braunschweig als auch im vergangenen Jahr gegen Berlin verwehrt.
Die beheizten Sitze abgebaut
Einen Titel hat er dennoch in seiner Vita aufzuweisen. Denn mit den Bravehearts aus Bremen hat er 1997 die Deutsche Meisterschaft gewonnen – allerdings im Cheerleading. ‘Damals musste ich wegen einer Verletzung für ein Jahr eine Footballpause einlegen’, erläutert Schloßhauer. Da er aber weiterhin Sport betreiben wollte, versuchte er sich bei den Cheerleadern. Das Training sei mehr als nur hart gewesen, schildert der Linebacker anerkennend. Nach der Zwangspause ging es für ihn aber wieder als Footballer weiter.
‘Der Stellenwert des American Football in Deutschland ist leider nicht allzu hoch’, bedauert der in Bonn geborene Schloßhauer. Bei seinem ersten Finale, das in Frankfurt ausgetragen wurde, ‘haben die Fußballverantwortlichen die beheizten Sitze für die Spieler abbauen lassen. Uns wurden dann im Gegenzug einfache Bierbänke hingestellt, schließlich waren wir ja nur Footballer.’ Heute erzählt er diese Anekdote mit einem Lächeln. Damals aber, so scheint es, stieß ihm das sauer auf.
Eine sehr gute Erfahrung hingegen hat Schloßhauer mit seinem Kieler Trainer gemacht. ‘Kent Anderson hat für uns Paintball veranstaltet und einmal sogar einen sechsmaligen Super Bowl-Gewinner eingeladen’, schwelgt der 33-Jährige in Erinnerungen. Diese Erlebnisse hätten das Team extrem gestärkt. Neben wertvollen Erfahrungen abseits des Platzes, habe Anderson auch sehr viel Wissen vermittelt. Am besten aber, betont der BSAG-Mitarbeiter, der immerhin bei fünf verschiedenen Vereinen gespielt hat, sei das Klima bei den Bremen Firebirds. Ebenso wie Präsident Jürgen Balz sieht auch Schloßhauer in den Firebirds eine kleine Familie – zu der auch er beiträgt.
‘Nur weil ich GFL-Erfahrung habe, fordere ich keine festen Spielzeiten vom Trainer. Das wäre auch nicht richtig, wenn ich gegenüber einem anderen Spieler Trainingsrückstände hätte.’ In der abgelaufenen Saison bestritt Simon Schloßhauer so auch nur drei Spiele, da er sich in seiner freien Zeit der Renovierung seines neu erworbenen Eigenheims widmete. Dennoch ist er ein wichtiger Bestandteil des Bremer Teams, für das er erstmals in den Jahren 1998 bis 2007 gespielt hatte.
Während er den Football in der Region sehr interessiert beobachtet, ist für ihn das Geschehen im Mutterland des Sports eher nebensächlich. ‘Zu Hause verfolge ich die NFL nur über die Playstation’, verrät Schloßhauer mit Blick auf die amerikanische Profiliga, die alljährlich beim ‘Super Bowl-Finale’ weltweit mehrere hundert Millionen Zuschauer vor die Fernsehschirme lockt. Der Bremer Linebacker hat weder einen Lieblingsspieler noch ein Lieblingsteam. ‘Wenn ich ein Lieblingsteam habe, dann sind es am ehesten die New England Patriots – aber auch nur, weil mir die Vereinsfarben gefallen’, witzelt er.
Zum Football gekommen ist er aber nicht über die Spielekonsole, sondern über ein Angebot der Schule. 1992 stieg er dann bei den Wolverines ein – der Auftakt zu einer Karriere, die ihn immerhin bis in die deutsche Spitze gebracht hat. An ein Ende seiner Laufbahn denkt Simon Schloßhauer derweil noch nicht. ‘Ich kann zwar auch nicht sagen, wie lange ich noch spiele, aber klar ist: So lange ich noch spiele, spiele ich für die Firebirds.’